Glorvigen Trio

Wie das Saxophon für den Jazz steht, so ist das Bandoneon das Musikinstrument des Tango. Erfunden wurde dieses Harmonikainstrument aber um 1843 von einem Krefelder Musiklehrer namens Heinrich Band, der eine von ihm leicht modifizierte Handharmonika unter dem Namen ‘Bandonion’ vertrieb. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelangte das Instrument mit den europäischen Emigrantenströmen nach Argentinien und wurde dort als ‘El Bandoneón’ für den sich gerade entwickelnden Tango entdeckt. Die Musik änderte sich, das Instrument aber blieb das gleiche – so wurden und werden in Südamerika bis heute nur Instrumente aus deutscher Fertigung gespielt.

Das Bandoneon weist einen Umfang von fünf Oktaven auf und verbindet eine sonore Tiefe mit einer klanglich prägnanten Höhe. Dies und eine merkwürdige, historisch gewachsene Tastaturanordnung erweist sich als ideal für die expressiven Qualitäten des Tango mit seiner oftmals dissonanzenreichen Musik. Aber auch für den Jazz und die Neue Musik wurde es entdeckt, wie die Kompositionen von Astor Piazzolla oder Mauricio Kagel zeigen

Die typischen Tango-Instrumente Bandoneon, Violine und Kontrabass spielen in der Musik Piazzollas eine tragende Rolle. Die Violine ist Melodieinstrument, der Kontrabass die harmonische und rhythmische Basis des musikalischen Gefüges und das Bandoneon ist sowohl Melodie- als auch Begleitinstrument.

In der Besetzung des Glorvigen Trios werden die Aufgaben der drei Instrumente erweitert und teilweise neu definiert. Die Musik von Astor Piazzolla und andere Tangos werden neu arrangiert, kammermusikalisch interpretiert und vermitteln so einen neuen Eindruck dieser zeitlosen Musik.

2006 kam der norwegische Bandoneonist Per Arne Glorvigen als Gast an die Komische Oper Berlin, um Astor Piazzollas Oper Maria de Buenos Aires zu leiten. Er wollte seine eigenen Tangomusiker mitbringen, doch man sagte ihm, einen tangospielenden Bassisten habe man bereits im Orchester. Die Begegnung war ein Glücksfall, Per Arne und Arnulf wurden musikalische Partner und Freunde. Sie gründeten das Per Arne Glorvigen Trio, damals noch mit einem norwegischen Geiger Sveinung Lillebjerka, der jedoch schon bald nicht mehr dabei sein konnte. Da erinnerte sich Per Arne an eine Tango-CD, die ihm kurz zuvor in die Hände gefallen war, mit einer interessanten Geigerin. Arnulf überlegte gleichzeitig, wie er ihm seine neue Orchesterkollegin vorstellen könnte. Und so fragten sie einander wie aus einem Mund: „Kennst Du Daniela Braun?“ Die neue Trio-Geigerin war gefunden. Sofort lagen die drei Musiker auf einer Wellenlänge, erinnern sie sich an ihr erstes Treffen 2012. Ihre erste gemeinsame CD “El Arte de la Fuga y del Tango” verbindet, was jeder von ihnen in den letzten Jahren musikalisch für sich entwickelt hat, zu einem Programm sprühender, leidenschaftlicher Reibung und mehr als 200 Jahre verbindender Harmonie.

 

Per Arne Glorvigen zählt heute zu den erfolgreichsten Bandoneon-Spielern. Er studierte von 1983 bis 1987 Akkordeon an der Musikhochschule in Oslo.

Danach ging er nach Paris, um bei Richard Galliano zu studieren. Im Oktober 1988 traf er den argentinischen Bandoneon-Meister Juan José Mosalini. Er entschied sich, sein Hauptinstrument zu wechseln und studierte drei Jahre bei Mosalini. 1989 begegnete Per Arne Astor Piazzolla, dem Meister des Tangos.

Nach mehreren Reisen nach Buenos Aires und Treffen mit Tangolegenden wie Horacio Salgán und Osvaldo Pugliese begann seine Karriere als professioneller Bandoneon-Spieler.

Dabei erweiterte er das klassische Repertoire für sein Instrument durch Werke des Barock sowie durch Klezmer, Popmusik und und vor allem zeitgenössiche Musik. Mehrere Urauf-führungen führten ihn an Orte wie das Gewandhaus zu Leipzig, das Concertgebouw Amsterdam, zu Radio France und dem Ultimafestival in Oslo.

2006 und 2007 sowie 2015 wurde ihm die musikalische Leitung der erfolgreichen Produktion von Astor Piazzollas Tango-Oper „Maria de Buenos Aires“ an der Komischen Oper Berlin übertragen. Weitere Kammermusikpartner waren unter anderem Giora Feidman, der Gitarrist Göran Söllscher, Cellist Nicolas Altstaedt, das Alban Berg Quartett, das Leipziger Streichquartett, das Apollon Musagete Quartett, das Delian Quartett und das Ensemble Tango for 3. Als Solist konzertierte er unter anderen mit der der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem NDR-Orchester Hamburg, der Sächsischen Staatskapelle Dresden, dem BBC Symphony Orchestra, dem Orchestra Guiseppe Verdi Mailand, den Solisten des Orchestre de Paris und den wichtigsten skandinavischen Orchestern

Sein wichtigster Partner jedoch ist der Geiger Gidon Kremer, mit dem er weltweit nahezu 100 Konzerte gegeben hat und vier CDs eingespielt hat. Per Arne Glorvigen hat Komposition bei Eric Tanguy und Instrumentation bei Guillaume Connesson in Paris studiert und hat eigene Werke in ganz Europa aufgeführt.

 

Daniela Braun, geboren in Potsdam, studierte in Berlin Violine bei Joachim Hantzschk und Antje Weithaas sowie Streichquartett bei Eberhard Feltz. Mit dem Abraxas Quartett wurde sie Preisträgerin beim Internationalen Streichquartettwettbewerb Tromp/Eindhoven 2004.

Sie widmet sich intensiv der Barockgeige und ist eine gefragte Kammermusikerin mit Interesse sowohl an Alter wie an Neuer Musik- und allem, was es dazwischen gibt. Zu ihren Partnern gehören die Pianisten Fumiko Shiraga und Frank Lubnow, mit denen auch CD- Einspielungen entstanden. Im Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin wie auch bei der Kammerakademie Potsdam und der Lauttencompagney Berlin war und ist Daniela regelmäßig zu Gast. Beim West Eastern Divan Orchestra arbeitete sie 2007/2008 als Geigen-Dozentin und begleitete das Orchester auf Konzertreisen.

Nach fünf Jahren bei der Staatskapelle Berlin (Staatsoper Unter den Linden) wechselte Daniela 2011 an die Komische Oper, wo sie als Stimmführerin der 2. Violinen tätig ist.

 

Arnulf Ballhorn wurde in Singen am Hohentwiel geboren. Nach dem Kontrabass-Studium bei Rainer Zepperitz an der UdK Berlin begann 1999 seine Arbeit im Orchester der Komischen Oper Berlin. Seine musikalischen Vorlieben lassen sich nur schwer eingrenzen: Neben dem Spielen im Orchester gehören zeitgenössische Musik und klassische Kammermusik ebenso zu seinen musikalischen Grundbedürfnissen wie Jazz und Tango und die intensive Arbeit mit dem E-Bass. Inspirationen bekam er durch Kurse und Unterricht bei Bassisten wie Miroslav Vitous, Renaud Garcia-Fons, Gary Willis und Jonas Hellborg, aber auch die Zusammenarbeit mit den Gruppen Vibratanghissimo und Zmei3 bietet immer neue Herausforderungen. Beim Festival „Musikdorf Ernen“ wird er seit fünf Jahren regelmässig eingeladen, 2016 wird dort die Uraufführung eines Werkes für E-Bass als Soloinstrument und Streichorchester vom Schweizer Komponisten Alfred Zimmerlin stattfinden.

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